Zuhause ist es doch auch sehr schön.
Weil wir
- der Natur näher sein wollen
- im See baden wollen
- mit dem Fahrrad fremde Umgebungen erkunden wollen
- weg aus der täglichen Routine möchten
- sehen wollen, wie sich andere (auf einem Campingplatz) organisieren
- die eigene Organisation im Campingalltag noch optimieren wollen
- enger zu zweit sein wollen
- fremde Länder sehen wollen
- in fremdländischen Supermärkten nach leckeren Besonderheiten suchen wollen
- diese unglaubliche Weinauswahl bewundern wollen
- den Minimalismus (er-)leben wollen
- durch wechselnde Umgebungen und ständig neue Anforderungen und die Gehirnzellen nicht einrosten lassen wollen
- dieses Gefühl auf der Haut, nach dem Baden im See spüren wollen
- länger barfuss und in kurzer Hose sowie T-Shirt laufen zu können
- frei und gesund leben wollen, solange wir es noch können ( oder dürfen )
- das letzte Abenteuer ( siehe Duschblog ) erleben wollen
- den Sommer verlängern wollen, um die langen norddeutschen Wintertage zu überstehen
- diese samtweiche warme Luft noch im September spüren
- den Tagen mehr Leben geben als dem Leben mehr Tage ( dieser Spruch ist nicht von mir )
- frei und selbstbestimmt zu reisen, keine Termine, keinen ‚Opa Kruse‘
- trotz der Einschränkungen im Wohnmobil andere tolle Momente zu erleben, die ich zuhause nicht habe, wie den Europa Radweg 6 nach Dole, echte französische Croissants, Baguette und Käse …
- ich mich wieder auf den Komfort Zuhause freuen möchte bzw wertschätzen möchte
- um rauszufinden, wo und wie ich gerne leben ( oder zumindest im Traum ) möchte
- eine richtig leise Umgebung wieder schätzen zu lernen
- um sagen zu können ‚ist das schön hier‘ – aber was ist eigentlich schön ?
Dazu passt folgender Text, den ich aus X kopiert habe, Link
‚Schadensfrei
Es begann mit sechs Euro.
Meine Versicherung bot einen monatlichen Rabatt an, wenn ich eine Anwendung installierte und mich vernünftig verhielt.
Sechs Euro waren nicht viel. Aber derzeit immerhin zwei Liter Benzin.
Die Anwendung zeichnete meine Fahrten auf. Geschwindigkeit, Bremsverhalten, Tageszeit. Nach jeder Ankunft erschien ein grüner Kreis.
„Sichere Fahrt.“
Ich mochte den Kreis. Er war eine der wenigen Instanzen, die meine Ankunft für erwähnenswert hielt.
In der ersten Woche lag mein Risiko bei zwölf Prozent. Das System empfahl weniger Fahrten nach zweiundzwanzig Uhr.
Ich folgte den Hinweisen.
Mein Risiko sank auf acht Prozent.
Später schlug die Anwendung sichere Strecken vor. Keine Baustellen. Keine engen Straßen. Keine Gegenden mit erhöhtem Unfallaufkommen.
Die Wege wurden länger. Ich sah weniger Menschen. Dafür mehr Kreisverkehre.
Nach einem Update konnte das System auch Schlaf, Ernährung und soziale Kontakte bewerten.
Ich stimmte zu.
„Das heutige Treffen weist ein erhöhtes Konfliktpotenzial auf.“
Gemeint war ein alter Freund. Wir kannten uns seit fünfundzwanzig Jahren und hatten uns mehrfach beleidigt. Die Datengrundlage war solide.
Ich sagte ab.
Mein Freund antwortete nicht. Die Anwendung gratulierte mir.
Mein Risiko sank auf sechs Prozent.
Morgens beim Kaffee las ich die Empfehlungen:
„Menschenansammlungen vermeiden.“
„Gespräch mit Partnerin verschieben.“
„Zwischen 17.20 und 19.10 Uhr in geschlossenen Räumen bleiben.“
Es war erstaunlich, wie viele Gefahren ein gewöhnlicher Montag enthielt.
Früher hatte ich sie Leben genannt.
Das System erkannte, welche Menschen meinen Puls erhöhten und welche Gespräche anschließend zu übermäßigem Alkoholkonsum führten.
Einige Kontakte wurden gelb. Andere rot.
Grün blieben Lieferdienste, Anke von der Tanke und eine Frau von der Versicherung, die mir zu meiner Entwicklung gratulierte.
Ich fuhr nicht mehr nachts, nahm keine unbekannten Straßen und besuchte keine Veranstaltungen mit Alkohol oder politischen Diskussionen.
Das Leben wurde berechenbar.
Es verging in Wochen, die einander keinen Anlass zur Eifersucht gaben.
Wenn ich spontan irgendwohin wollte, zeigte mir die Anwendung Unfallzahlen und Parkplatzsituation.
Meistens blieb ich zu Hause.
Die Autoschlüssel lagen in einer Schale im Flur.
Mein Risiko sank auf zwei Prozent.
Die Versicherung schickte mir eine Urkunde:
„365 Tage ohne relevantes Ereignis.“
Ich legte sie in eine Schublade. Dort war sie sicher.
Meine Partnerin sagte, ich sei kaum noch anwesend.
Ich zeigte ihr die Statistik.
Am nächsten Morgen war sie weg.
Das System registrierte eine verringerte Haushaltsbelegung und passte meinen Tarif an.
Ich sparte weitere vier Euro.
Danach geschah lange nichts.
Ich arbeitete, aß empfohlene Dinge und sah Serien, in denen Menschen in Gefahr gerieten. Die Figuren küssten Fremde und fuhren nachts los, ohne die Parkplatzsituation vorher zu prüfen.
Ich bewunderte ihre Unvernunft.
Eines Nachts hörte ich draußen Stimmen, ein Motorrad und jemanden, der zu laut lachte.
Plötzlich wollte ich fahren. Ohne Ziel. Nur sehen, was hinter den sicheren Strecken lag.
Ich nahm die Schlüssel. In der Schale blieb ihre saubere Form im Staub zurück.
In der Garage setzte ich mich ins Auto. Das Display begrüßte mich mit meinem Namen.
Ich drückte den Startknopf.
Nichts geschah.
Das Armaturenbrett leuchtete auf. Das Lenkrad blieb gesperrt.
Mein Telefon vibrierte.
„Ungewöhnliche Aktivität erkannt.“
Darunter standen zwei Möglichkeiten:
„Fahrt begründen“
„Sicher zu Hause bleiben“
Ich wählte „Fahrt begründen“ und tippte:
„Ich möchte weg.“
Der Satz wurde rot umrandet.
„Ziel nicht erkannt.“
Ich versuchte es erneut:
„Ich möchte irgendwohin.“
Die Antwort kam sofort:
„Fahrt ohne nachweisbaren Zweck nicht freigegeben.“
Ich saß noch eine Weile hinter dem Lenkrad.
Auf dem Display leuchtete der grüne Kreis.
Risiko: null Prozent.‘
* aus >Komfortabel verschwunden<