Zweite Woche Norwegen – Tromsø

Mittwoch 24. Juni – Tromsø

Stille Einfahrt morgens in den Sund von Tromsø.

Im Fahrstuhl schon erste Begegnung mit den Menschenmassen hier am Bord. Brauche ich das wirklich ? Im Frühstücksrestaurant ist das Gedränge heute zum Glück nicht ganz so groß. Aber schon die Schlange am Kaffeeautomaten nervt etwas, besonders wenn das Teewasser nur so leicht aus dem Hahn tröpfelt und die Person vor mir gleich 2 Becher füllt.

Auf der Kabine waren auch heute Morgen wieder die Bettdecken zu einem Tier gefaltet worden. Das Personal meint es sicher gut und viele finden diese Tierchen als witzig, ich mag aber diesen Eingriff in meine Intimbereiche nicht, ich brauche auch kein gefaltetes Toilettenpapier. Mir würde es reichen, einmal die Woche die Mülltonne geleert werden würde, mehr bitte nicht. Lasst mich in meiner Kabine in Ruhe, ich kann selber mein Bett machen und meine Handtücher aufhängen. Auch wenn diese Reinigungskräfte sehr nett sind und ich auch keine Angst um mein rumliegendes iPad oder Kamera habe, meine ‚Kreise‘ werden gestört. 

Der Shuttlebus in die Innenstadt kostete extra ( Hin und Rück 15€ pP, abgerechnet über Scannen der Bordkarte ), es war einfach zu weit zum Laufen, da unsere riesiges Mein-Schiff 7 nicht unter der Brücke durchpasste. Da fehlte mir unser e-Bike.

Am Hafen rausgelassen, unweit von der Fußgängerzone, wurden wir abgestetzt.

Es nieselte leicht, die Läden waren unsere Zuflucht. Norweger Pullies in alles Varianten und Farben. Handschuhe und Mützen für eisige Tage.

Obwohl ich wegen meines Knies nicht so gut zufuß war, gingen wir über die Brücke zur bekannten Eiskirche von Tromsø.

Der Blick von der Brücke war super,

In beide Richtungen und auf den Hafen. 

Die Kirche war eher enttäuschend, Eintritt für 9 Euro war uns zu viel für das doch schlichtere Glasfenster.

Insgesamt war der Tag in Tromsø dann doch besser als Anfangs mit dem Nieselregen befürchtet.

Wir sassen im Spezialtäten Restaurant am Diamantfenster des Hecks, als wir ablegten. Die immer gleiche Musik beim Ablegen rührten fast die Tränen. Es hat schon etwas, – ja was ? – Besonderes ? Gigantisches ? Unwirkliches ? – wenn dieses riesige Schiff fast geräuschlos ablegt und anschließend so langsam durch den Hafen gleitet und den Liegeplatz Stadt verläßt. 

Wir skipten die St Pauli Party unterdecks mit Karaoke Gesängen und den Showeinlagen

und genossen lieber an Deck die Ausfahrt aus dem Sund 

konnten die Lotsen Rück- /Übergabe live miterleben

Für diese Anblicke hatten wir diese Reise gemacht. So kann man Norwegen nicht vom Wohnmobil aus erleben.

23 Uhr Wir gehen ins Bett. Die Sonne wollte einfach nicht untergehen.

Fangfrage –

Wir hatten doch gelernt : Im Osten geht die Sonne auf, im Süden macht sie ihren Mittagslauf, im Westen wird sie untergehen, im Norden ist sie nie zu sehen.

Was ist jetzt, wenn die Sonne im Westen nicht untergeht, wie kann sie dann morgen im Osten wieder aufgehen ? 🙂


Donnerstag, Freitag 25. und 26. Juni – Seetage

Sport, Sabine an Deck Laufen und ich im Sportbereich rudern. 

Nach dem Frühstücken Vortrag über Starvanger. wir waren schon fast 20 Minuten vor Beginn im 1000 Plätze Theater, doch es waren schon fast alle Plätze besetzt. Es waren auch alles gute und informative Vorträge gewesen. In einem seiner Vorträge bat er um Handzeichen, sind sie wegen Spitzbergen auf dieser Reise oder wegen Nordkap ? Oder weil ihre Frau gesagt hat, da kommst du mit ? 

Noch mal einen Eiskaffee im Eismeer, mit dicker Jacke unter einer Decke, denn es war recht frisch draussen an Deck, da half der Baileys im Eiskaffee auch nicht wirklich, nur die Hoffnung, dass wir anschließend einen Saunaplatz bekommen würden. Doch daraus wurde leider nichts, die Idee hatten wohl auch andere vor uns, es wurde niemand mehr reingelassen. Leider gab es auch kein Buchungssystem für die Sauna.

Zu Tagesbeginn konnte man noch in der Ferne etwas von dem gebirgigen Land in der Ferne sehen, gegen Nachmittag war es nur Wasser ringsherum, mit etwas Wind und grauem Himmel.

Jetzt schon an die Bar und Cocktails trinken ? Wir entschieden uns für Lesen und Blog Schreiben, mit einem kleinen Nickerchen zwischendurch. So ein Leben an Bord ist schon ermüdend. Ich fragte mich vorhin, was denn eigentlich mein Beitrag zu dieser Reise ist ? Gut, ich habe sie bezahlt. Dafür wird mir alles abgenommen. Wir müssen nichts einkaufen und selber für Essen sorgen, Essen gibt es im absoluten Überfluss rund um die Uhr. Ich könnte sogar Nachts um 3 Uhr noch einen Burger essen. Alles was ich machen kann ist konsumieren. Mir fehlt doch die Eigenbeteiligung, wie Fahrzeug lenken, Tanken, … und wenn es der tägliche Abwasch irgendwo am Duschhäuschen auf dem Campingplatz ist. Für nichts habe ich Verantwortung, alles wird mir abgenommen. Für manche vlielleicht schön, mir fehlt da etwas. Bei manchen Reiseteilnehmer wäre es aber auch schön, wenn sie mehr Selbstdisziplin beim Essen hätten. Unglaublich was hier so an Übergewichtigen herumwatschelt. Vor einem Bus in der Schlange stehen ist nicht meine Welt, ich würde mich lieber auf mein Fahrrad schwingen und den Ort selber erkunden, dort anhalten, wo ich es mag und vielleicht ein Foto machen möchte. 

Durchsage vom Kapitän, wir haben die Lofoten hinter uns gelassen und noch 1000 Kilometer bis Starvanger.

Ich will nicht nur konsumieren sondern selber aktiv eine Reise mitgestalten. Die selbstgekaufte und selbstgegrillte Dorade schmeckt mir besser als der RedSnapper im 4 Gänge Spezialitäten Restaurant. Fremde Supermärkte zu besuchen und für das tägliche Essen und Trinken einzukaufen finde ich einfach spannender als die Souvenir Läden. 

Ja, es ist praktisch das Zimmer immer dabei zu haben, nicht laufend die Koffer ein und aus zu packen. Aber das habe ich im Wohnmobil auch. Dafür ist das Zimmer im Bimo und an Bord immer gleich. Ich vergleiche jetzt mal mit unserer Patagonien oder Mexiko Mietwagen Rundreise. Ist nicht auch der Besuch eines Hotels ein Teil einer Reise, um die Kultur des Landes kennenzulernen ? Die unterschiedlichen Hotelzimmer, die Spannung, wie ist das Bett, die Bettwäsche, wie das Frühstück in diesem Hotel wohl sein mag ? 

Oder diese Erlebnisse, die ich im ‚Das letzte Abenteuer: Duschen auf Campingplätzen’ Blogbeitrag festgehalten hatte. 

Hier an Bord ist das Thema das Wohlfühlen, steht auch groß am Schiffsrumpf geschrieben. Und Wohlfühlen heisst für viele hier, immer das gleiche Zimmer, immer das gleiche Essen, auch wenn es eine gigantische Auswahl gibt. Ein ( Luxus-)Hotel auf dem Wasser, das zwischen den verschiedenen Stopps aber wenig ( wir hatten die Fjorde) bis gar keinen Einblick in das Land bietet. Diese Reisezeit wird meistens Nachts bewältigt, so ein Schiff ist nicht schnell, nur ca 20 – 40 km/h. Mit dem Wohnmobil fährt man dagegen tagsüber und entdeckt das ( fremde ) Land, die vielen Kreisel, …